Alle 3 Burg Ruinen Wartenberg
Geschichte
Vordere Burg Ruine Wartenberg
Östlich von Muttenz reicht der Wartenberg als Jura-Ausläufer von Süden her bis dicht an den Rhein und trennt damit die oberrheinische Tiefebene vom Sisgau ab. An diesem strategisch wichtigen Punkt stand bereits in der Bronzezeit eine Höhensiedlung. Die vordere Burg Wartenberg, die mit Abstand grösste und bedeutendste der drei Anlagen auf dem Höhenrücken, ist gemäss Deutung verschiedener Kleinfunde bereits im 9. oder 10. Jhdt. entstanden. Möglicherweise gehörte sie zum Krongut des Königreichs Hochburgund: Wie der Chronist Wipo berichtet, trafen sich im August 1027 Kaiser Konrad II. und König Rudolf III. von Hochburgund «iuxta vicum qui Mittenza dicitur» (nahe bei einem Ort, der Muttenz genannt wird). Die beiden Herrscher reisten von hier weiter nach Basel, wo sie die Vererbung Hochburgunds an die Deutsche Krone regelten.
Ungeklärt ist, warum Muttenz und der Wartenberg später als Lehen des Hochstifts Strassburg galten. Es wird vermutet, dass die Grafen des Sisgaus sich gegen Ende der Herrschaft von Rudolf III. hier Königsgut angeeignet haben und es zur Absicherung an Strassburg vergaben, von wo sie es als Lehen zurückerhielten. Über das Sisgau herrschten im 12. Jhdt. die Grafen von Homberg, die ihren Stammsitz im aargauischen Fricktal hatten. Unter ihnen muss der mittlere Teil der heute noch sichtbaren Anlage entstanden sein, der in schönen Bossenquadern erbaut wurde. Dazu zählten der mächtige Südturm und wohl auch der Nordturm, die beide älter sind als die Ringmauer.
1223 starb der letzte Graf, über seine Tochter kam der Besitz an Graf Hermann von Frohburg. Dieser gründete nun die Familie der Grafen von Neu-Homberg, die im 13. Jhdt. auch über den Wartenberg herrschte. Die vordere oder die mittlere Burg diente den Grafen zeitweilig als Wohnsitz, doch waren hier auch verschiedene Dienstleute ansässig, darunter die Marschalken der Grafen. Verschiedene auf das 13. Jhdt. zu datierende Mauerzüge deuten auf eine rege Bautätigkeit der Neu-Homberger auf der vorderen Burg hin.
1301 vergab Graf Werner II. von Neu-Homberg die vordere und die mittlere Burg zusammen mit dem Dinghof Muttenz an die Basler Bürger Hugo und Kuno zer Sunnen als Afterlehen. Sie blieben auch Lehnsträger, als die Neu-Homberger 1306 den ganzen Wartenberg samt Hof und Kirchensatz zu Muttenz für 1700 Mark Silber an die Habsburger verkauften. 1356 wurde die Burg im Basler Erdbeben beschädigt, aber offenbar wiederhergerichtet. Bald nach 1370 ging das Lehen von den zer Sunnen an die Münch von Münchenstein über. Diese bewohnten die einstige Grafenburg aber kaum noch. Im Armagnakenkrieg von 1444 spielte sie keine bedeutende Rolle mehr, und 1470 wird sie erstmals als «Burgstall» bezeichnet. Die Münch verkauften sie mit Einwilligung des Lehnsherrn 1515 als Ruine an die Stadt Basel.
Die Burg wurde über lange Zeit zur Gewinnung von Baumaterial ausgebeutet, und in den 1860er-Jahren wurde der nordöstliche Teil des Burgfelsens durch einen Steinbruch abgetragen. 1923 erwarb die Bürgergemeinde Muttenz die Anlage. Zehn Jahre später begann man damit, die Ruine auszuräumen und zu restaurieren, wobei leider viele baugeschichtliche Spuren beseitigt wurden. Bei diesen Arbeiten fand man Überreste hochwertiger mittelalterlicher Bauplastik.
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Mittlere Burg Ruine Wartenberg
Geschichte
Der im Grundriss 14,5 x 13 Meter messende Donjon mit 3 Meter dicken Grundmauern, der sich auf dem höchsten Punkt des Wartenbergs erhebt, dürfte im späten 12. Jhdt. durch die Grafen von Homberg errichtet worden sein. Sein heutiges Erscheinungsbild ist stark von neuzeitlichen Rekonstruktionen geprägt. Im dritten Stockwerk auf der Nordseite ist die Tür des ursprünglichen Hocheingangs noch sichtbar. Die repräsentative Ausstattung des Baus und dessen architektonische Gestaltung mit Sitznischen und einem grossen Kamin lassen einen Wohnsitz der Grafenfamilie vermuten.
1223 wechselte der Wartenberg über die Erbtochter des letzten Homberger Grafen in den Besitz von Graf Hermann von Frohburg über, den Gründer der Linie Neu-Homberg. Die urkundlich ab 1301 erwähnte Burg gehörte immer zum selben Güterkomplex wie die vordere Burg Wartenberg und der Dinghof Muttenz. Unter den Neu-Hombergern wurden die Brüder zer Sunnen aus Basel mit der mittleren und der vorderen Burg belehnt. Sie verblieben auch Lehnsträger, als die Grafen den Wartenberg und Muttenz 1306 an die Habsburger veräusserten.
Bald nach dem grossen Erdbeben von 1356, das der Burg keine allzu grossen Schäden zugefügt zu haben scheint, ging das Lehen an die Familie der Münch von Münchenstein über. Wie die anderen Wehranlagen auf dem Wartenberg wurde auch die mittlere Burg um 1420 aufgegeben und dem Zerfall überlassen. 1470 wurde der Wartenberg an die Stadt Basel verpfändet, was deren Konkurrentin Solothurn gerichtlich anzufechten versuchte. Erst 1515 wurde der Berg samt den Burgen dann endgültig Basler Eigentum. Habsburg-Österreich verzichtete dabei ausdrücklich auf seine Lehnshoheit.
Während dem Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) wurde der mächtige Donjon als provisorische Behausung für Basler Truppen hergerichtet. Es wird vermutet, dass der Graben rund um den Turm erst damals ausgehoben wurde. Dabei wären dann auch sämtliche Spuren von Wohn- oder Ökonomienauten innerhalb des Berings beseitigt worden. Im Zuge dieser Arbeiten wurde wahrscheinlich auch der heutige, ebenerdige Zugang durch die nordseitige Turmmauer gebrochen.
Nach dem Krieg überliess man die Burg wieder sich selbst. Sie zerfiel nun mehr und mehr, Teile der mächtigen Turmmauern stürzten ein. Im 19. Jhdt. erwarb die Bürgergemeinde Muttenz die Ruine. 1932 bis 1934 wurde sie ausgeräumt und das Mauerwerk ohne viel Sorgfalt ausgebessert. Dabei barg man im Turminnern zahlreiche Fragmente von teilweise reich verzierten Ofenkacheln aus dem 13. bis 15. Jhdt. Im Mauerschutt gefundene Fragmente romanischer Fenster wurden bei der Restauration nach Gutdünken wiedereingesetzt. 1955/56 wurde auf dem Donjon schliesslich eine Aussichtsplattform eingerichtet, die sich bei der regionalen Bevölkerung bis heute grosser Beliebtheit erfreut.
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Hintere Burg Ruine Wartenberg
Geschichte
Wie auf allen Wartenberg-Ruinen lässt sich auch auf der hinteren Burg der Original-mittelalterliche Baubestand nur noch mit Mühe erkennen. Die Restaurationsarbeiten im frühen 20. Jhdt., bei denen ganze Mauerpartien neu errichtet wurden, prägen das Aussehen der Anlage heute leider stark. Auch die damaligen Ausgrabungsarbeiten wurden sehr unsorgfältig durchgeführt, weshalb nur wenige Fundstücke erhalten, geblieben sind. Bei einer Sondierung in den 1960er-Jahren stiess man auf Scherben von Kochtöpfen aus dem 12. bis 14. Jhdt. Somit dürfte auch die südlichste der drei Wartenberg-Burgen unter der Herrschaft der Grafen von Homberg entstanden sein, möglicherweise als Sitz einer Dienstmannen Familie. Ob die heute noch sichtbaren Reste von dieser ersten Burg oder von einem Neubau aus dem 13. Jhdt. stammen, ist ungeklärt.
Die Burg bildet ein langgezogenes Oval, an dessen nördlichem Ende über dem Halsgraben der runde Bergfried steht. Im Grundriss weist er einen Durchmesser von 6,2 Metern bei einer Mauerstärke von 1,8 Metern auf. Den Südteil der Anlage nahm ein geräumiger Palas ein, von dem heute aber nur noch die Grundmauern zu sehen sind. Im grossen Burghof in der Mitte des Areals werden hölzerne Ökonomie-bauten vermutet.
Mit dem Tod des letzten (Alt-)Homberger Grafen Werner III. im Jahr 1223 kamen die Güter dieser Familie über die Erbtochter an Graf Hermann von Frohburg, der die Linie der Grafen von Neu-Homberg gründete. Auch unter den Neu-Hombergern sassen Dienstleute auf der hinteren Burg Wartenberg: ab 1296 Vertreter der Familie von Eptingen. Auch als 1306 die Lehen Muttenz und Wartenberg an die Habsburger verkauft wurden, blieben die Eptinger auf der Burg. Eine Verbindung mit ihrer benachbarten Herrschaft Pratteln konnten sie jedoch nicht herstellen.
Im verheerenden Erdbeben von 1356 wurde die Burg wie alle anderen Wehranlagen in der Umgebung von Basel schwer in Mitleidenschaft gezogen, jedoch bald darauf wiederhergerichtet. 1379 belehnten die Habsburger neu den Basler Bürger Petermann Sevogel mit der Anlage. Dessen Familie verblieb auch im nachfolgenden Jahrhundert Lehnsträger der hinteren Burg Wartenberg, die nun aber dem Zerfall überlassen wurde. Veronika Sevogel schliesslich brachte den Besitz mit Einwilligung von Kaiser Maximilian ihrem Gemahl, dem Luzerner Schultheissen Jakob von Hertenstein mit in die Ehe. Von den Hertensteinern gelangte das bescheidene Burggut an die St. Georgenkirche zu Rümligen, von welcher es schliesslich an Basel überging.
Bei der politischen Trennung des Baselbiets wurde die Ruine 1833 dem neuen Kanton Basel-Landschaft zugeteilt. 1856 wurde das Burgareal mit dem zugehörigen Waldgebiet dann öffentlich versteigert und von der Bürgergemeinde Muttenz erworben. Diese liess 1901 den Rundturm mit einer Wendeltreppe und einem Holzdach versehen. 1935/36 wurden Ausräum- und Restaurierungsarbeiten vorgenommen, sowie das Burgtor und Teile der westseitigen Ringmauer rekonstruiert. Die Ostmauer musste 1956 einer erneuten Restauration unterzogen werden. 1959 entworfene Pläne für einen kompletten Neubau des Palas auf den alten Fundamenten wurden glücklicherweise nicht in die Tat umgesetzt.
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